Die häufigste Fehlinvestition bei einer Gastro-Überdachung kostet nicht 40.000 €. Sie kostet 6.000 € und muss danach wieder abgebaut werden. Der Grund ist fast immer derselbe: Es wurde ein Sonnenschutzprodukt gekauft, obwohl ein Wetterschutzprodukt gebraucht wurde. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, welche Überdachung für die Gastronomie welche Aufgabe erfüllt, von der Gastro-Markise über die Terrassenüberdachung und das Lamellendach bis zum geschlossenen Kaltwintergarten. Einen Überblick über die Bauarten finden Sie auf unserer Seite zu Terrassenüberdachungen für die Gastronomie.

Der teuerste Irrtum: Eine Markise ist kein Regenschutz
Eine klassische Gelenkarmmarkise ist ein Sonnenschutzprodukt. Das Tuch ist wasserabweisend, aber es ist kein Dach. Wer damit einen wettergeschützten Außenbereich schaffen will, wird ihn nicht bekommen.
Meine Lieblingsfrage seit neuestem: Aber die kann ich ja auch im Regen benutzen. Nein, können Sie nicht. Weil es ein Sonnenschutzprodukt ist. Das Tuch ist zwar wasserabweisend, aber es ist einfach kein Regenschutzprodukt.Felix Till, Inhaber FT Work & Design
Aus der Praxis: Ein Betrieb wollte einen wettergeschützten Außenbereich und hatte dafür eine einfache Gelenkarmmarkise gekauft. Das Ergebnis war, dass die Anlage wieder abgebaut und durch eine Sunrain ersetzt werden musste, eine regentaugliche Markise mit echtem Gefälle und Wasserableitung. Erst danach war der Bereich bei jedem Wetter nutzbar. Die erste Investition war komplett verloren.

Sie wollten eigentlich einen wettergeschützten Außenbereich haben und dachten, mit einer einfachen 0815-Gelenkarmmarkise erreiche ich den. Wir haben die Markise abgebaut und dann eine Sunrain montiert. Damit hatten wir einen wirklich wettergeschützten Außenbereich.Felix Till, Inhaber FT Work & Design
Gastro-Überdachung: Die vier Systeme im Vergleich
| System | Schützt vor | Nutzbar | Montagezeit | Preisrahmen |
|---|---|---|---|---|
| Gelenkarmmarkise | Sonne | Schönwetter | unter einem Tag | ab ca. 6.000 € |
| Regenmarkise (SunRain) | Sonne und Regen | fast ganzjährig, offene Seiten | ein bis zwei Tage | rund 10.000 € |
| Pergola mit Lamellendach | Sonne, Regen, Wind | ganzjährig, seitlich ergänzbar | mehrere Tage | rund 30.000 € |
| Kaltwintergarten | Sonne, Regen, Wind, Kälte | ganzjährig, geschlossener Raum | drei bis fünf Tage | ab ca. 25.000 €, nach oben offen |
Das sind Erfahrungswerte aus unseren Projekten. Eine kleine Gastroanlage beginnt bei rund 6.000 €. Eine Regenmarkise liegt bei etwa 10.000 €, ein Lamellendach bei etwa 30.000 €. Ein geschlossener Kaltwintergarten beginnt bei etwa 25.000 €. Nach oben gibt es keine feste Grenze, große Anlagen liegen deutlich darüber. Die Spannen überschneiden sich, weil nicht die Bauart allein den Preis bestimmt, sondern vor allem Größe, Spannweite und Ausstattung. Was Ihr Projekt konkret kostet, hängt von Spannweite, Untergrund, Ausstattung und Montagesituation ab.
Windwiderstandsklassen: Die Zahl, nach der Sie fragen sollten
Jede Markise wird nach DIN EN 13561 in eine Windwiderstandsklasse eingeordnet. Sie sagt, bis zu welcher Windstärke die Anlage ausgefahren bleiben darf. Für die Gastronomie ist Klasse 2 der Mindeststandard.
| Klasse | Windstärke | Windgeschwindigkeit | Woran Sie es erkennen |
|---|---|---|---|
| WK 1 | Bft 4 | bis ca. 28 km/h | Blätter und loses Papier bewegen sich |
| WK 2 | Bft 5 | bis ca. 38 km/h | kleine Laubbäume schwanken |
| WK 3 | Bft 6 | bis ca. 49 km/h | starke Äste bewegen sich, Schirme werden schwierig |
Zwei Punkte, die im Verkaufsgespräch selten fallen. Erstens erreicht eine Anlage ihre angegebene Klasse nur bei fachgerechter Montage im passenden Untergrund. Wird auf einem schwächeren Untergrund befestigt, sinkt die Windstabilität, unabhängig davon was im Datenblatt steht. Zweitens gibt es Zusatzsysteme, die diese Grenze verschieben. Bei der Sunrain, die wir im Gastrobereich am häufigsten verbauen, liegt die Windwiderstandsklasse ohne Zubehör bei 2, also Windstärke 5. Mit dem optionalen Wind-Protect-System, das die Anlage über zusätzliche Stützen am Ausfallprofil abfängt, sind je nach Größe bis zu Windstärke 8 möglich, das entspricht rund 70 km/h.
Warum das für Sie eine Umsatzfrage ist
Jedes Mal, wenn die Anlage bei aufkommendem Wind einfahren muss, verlieren Sie Ihren Außenbereich für den Rest des Abends. Die Windklasse entscheidet also nicht über die Sicherheit allein, sie entscheidet über die Zahl der Tage, an denen Sie draußen bewirten können.
Wenn der Wind das Thema ist: Großschirme
Es gibt Standorte, an denen jede fest montierte Anlage an ihre Grenzen kommt, etwa an Hanglagen, an Gewässern oder in offenen Innenhöfen mit Fallwinden. Dort spielen wir Bahama-Großschirme ins Spiel. Die sind auf genau diese Bedingungen ausgelegt und halten je nach Modell Windgeschwindigkeiten aus, die keine Markise erreicht.
| Modell | Windstabilität |
|---|---|
| Jumbrella | bis rund 102 km/h |
| Jumbrella XL, Spannweiten bis 49 m² | bis rund 110 km/h |
| modellabhängig laut Hersteller | bis 130 km/h |
Zum Vergleich: Eine Markise der Windwiderstandsklasse 2 muss bei 38 km/h einfahren. Ein Großschirm arbeitet also in einer ganz anderen Liga und bleibt an Tagen offen, an denen der Außenbereich sonst geschlossen bliebe. Der Nachteil ist die Fläche pro Schirm, weshalb große Terrassen mehrere Einheiten brauchen. Welche Modelle wir führen, steht bei den Sonnenschirmen für die Gastronomie.
Regenschutz technisch betrachtet
Auch beim Regen gibt es eine Klassifizierung. Eine Sunrain mit Regenwiderstandsklasse 2 bewältigt rund 56 Liter pro Quadratmeter und Stunde. Damit das funktioniert, braucht die Fläche Gefälle. Die Wasserableitung ist bei den gängigen Systemen ab etwa 7 Grad Neigung sichergestellt. Bei zu flacher Montage bilden sich Wassersäcke im Tuch, unabhängig von der Qualität des Materials. Wenn Ihre bauliche Situation dieses Gefälle nicht hergibt, ist die Sunrain das falsche Produkt und Sie landen bei einem festen Dach.
Wann sich der geschlossene Raum lohnt
Ein Glasdach, ein geschlossenes System oder eine Pergola mit seitlichen Glasschiebeelementen schafft etwas, das eine offene Überdachung nicht leisten kann: Einen Raum, der weitgehend witterungsunabhängig ist. Der Unterschied zeigt sich nicht am schönen Sommerabend, sondern im Veranstaltungsgeschäft.

Wenn ich zum Beispiel Hochzeiten oder größere Feiern veranstalte, können die bei schlechtem Wetter entweder gar nicht stattfinden, dann habe ich einen kompletten Einnahmeausfall, oder sie können nur reduziert stattfinden. Der Gast wechselt dann eher zu dem Gastronomen, der für alle Wetterlagen eine Location hat.Felix Till, Inhaber FT Work & Design
Wer im Juni eine Hochzeit plant, bucht nicht die Terrasse, die bei Regen ausfällt. Er bucht die Location, die in jedem Fall funktioniert. Das ist ein Geschäft, das Sie mit einer offenen Lösung schlicht nicht anbieten können.
Der zweite Effekt: Wie Ihr Betrieb von außen wirkt
Bei kleinen Cafés, Bars und Restaurants ist der Außenbereich das Erste, was ein Passant sieht. Und er sieht ihn auch dann, wenn das Wetter schlecht ist.
Entweder da stehen ein paar zusammengerückte Stühle, am besten noch mit irgendeiner ranzigen Plane überdeckt. Oder da ist ein schön aufgemachter Bereich, wo die Tische gedeckt sind, wo ein paar Lämpchen stehen und eine wohlige Atmosphäre da ist.Felix Till, Inhaber FT Work & Design
Ein fest gestalteter, wettergeschützter Bereich verändert die wahrgenommene Wertigkeit des ganzen Standorts. Dieser Effekt taucht in keiner Amortisationsrechnung auf, wirkt aber jeden Tag.
Heizen oder bauen? Eine kurze Rechnung
Viele Betriebe versuchen, die kalte Jahreszeit über Heizstrahler zu retten. Das ist möglich, hat aber laufende Kosten. Ein Heizstrahler mit 3 kW, der an einem Abend fünf Stunden läuft, verbraucht 15 kWh. Bei 50 Cent pro Kilowattstunde sind das 7,50 € pro Abend und Strahler.
| Betrieb | Verbrauch | Kosten |
|---|---|---|
| ein Strahler, ein Abend | 15 kWh | 7,50 € |
| vier Strahler, ein Abend | 60 kWh | 30,00 € |
| vier Strahler, 20 Abende im Monat | 1.200 kWh | 600,00 € |
Rechnung auf Basis 3 kW pro Strahler, fünf Betriebsstunden und 0,50 € pro kWh. Setzen Sie Ihren eigenen Strompreis ein.
Die Alternative ist baulich. In einem geschlossenen System kämpfen Sie nicht gegen Wind und Auskühlung an. An sonnigen Herbsttagen heizt sich der Raum ohne jede Energie auf, an kühlen Abenden erreichen Sie die Zieltemperatur schneller und halten sie länger. Sie heizen dann kürzer statt dauerhaft gegen die Umgebung.
Biergarten, Café oder Restaurant: Welche Überdachung wofür
Die passende Lösung hängt weniger vom Budget ab als von der Fläche und davon, was Sie darauf verkaufen wollen.
| Betrieb | Typische Situation | Sinnvolle Lösung |
|---|---|---|
| Café oder Bäckerei | schmale Fläche direkt am Gebäude, Gehweg | Gastro-Markise, bei Regenbedarf eine Regenmarkise |
| Restaurant mit Terrasse | Fläche schließt an den Gastraum an | Terrassenüberdachung mit Glasdach oder Lamellendach |
| Biergarten | große freie Fläche ohne Anschluss ans Gebäude | freistehende Pergola, für die Überdachung im Biergarten oft in Modulen |
| Veranstaltungsgastronomie | Feiern sollen wetterunabhängig stattfinden | geschlossener Kaltwintergarten mit Glasschiebeelementen |
Lamellendächer in der Gastronomie sind der Kompromiss zwischen offener Terrasse und geschlossenem Raum. Sie lassen sich öffnen, wenn die Sonne scheint. Bei Regen werden sie geschlossen. Welche Systeme wir dafür führen, steht auf der Seite zu Lamellendächern für die Gastronomie. Wenn es nur um Sonnenschutz geht, reicht in vielen Fällen eine Gastro-Markise.
Brandschutz und Zulassung
Im öffentlich zugänglichen Bereich dürfen nur zertifizierte Anlagen und Stoffe mit Brandschutzfreigabe eingesetzt werden, üblicherweise schwer entflammbar nach DIN 4102-1 Baustoffklasse B1 beziehungsweise nach DIN EN 13501-1. Das schließt einen Großteil der günstigen Angebote für den Privatbereich aus. Fragen Sie beim Angebot immer nach dem Nachweis. Mehr dazu und zu den Genehmigungen steht im Ratgeber Welche Genehmigungen Sie in NRW wirklich brauchen.
Montage im laufenden Betrieb
Die Frage, wie lange der Betrieb stillsteht, entscheidet bei vielen Gastronomen mit über das Produkt. Die Antwort fällt milder aus als erwartet:
- Markisenprodukte: In der Regel unter einem Tag. Das lässt sich auf einen Ruhetag legen, dann entsteht überhaupt kein Ausfall.
- Geschlossener Kaltwintergarten: Drei bis fünf Tage. Hier ist die Nebensaison der richtige Zeitpunkt, weil der Außenbereich dann ohnehin kaum genutzt wird.
Wer im Herbst plant, hat seine Terrasse zur nächsten Saison fertig, ohne einen einzigen Umsatztag zu verlieren.
Die drei Fragen vor der Produktauswahl
- Wollen Sie bei Regen bewirten? Wenn ja, scheidet die klassische Markise aus.
- Wollen Sie planbar vermieten, etwa für Feiern? Wenn ja, brauchen Sie einen geschlossenen oder seitlich schließbaren Bereich.
- Wie exponiert liegt die Fläche? Je mehr Wind, desto wichtiger sind Windklasse und Zusatzsystem.
Sagen Sie uns, wie Ihre Fläche liegt und was Sie damit vorhaben. Wir sagen Ihnen ehrlich, welches System das leistet und welches nicht. Wir arbeiten in ganz Nordrhein-Westfalen und im Umkreis von rund 100 Kilometern, unter anderem bis an die Mosel.
Häufige Fragen
Welche Überdachung eignet sich für die Gastronomie am besten?
Das hängt davon ab, ob Sie nur Sonnenschutz brauchen oder bei jedem Wetter bewirten wollen. Für reinen Sonnenschutz genügt eine Gastro-Markise. Für einen wettergeschützten Außenbereich brauchen Sie eine Regenmarkise, ein Lamellendach oder eine feste Terrassenüberdachung.
Kann man eine Markise in der Gastronomie bei Regen nutzen?
Nein. Eine klassische Gelenkarmmarkise ist ein Sonnenschutzprodukt. Das Tuch ist wasserabweisend, aber es ist kein Dach. Wer bei Regen bewirten will, braucht eine Regenmarkise oder eine feste Überdachung.
Welche Windwiderstandsklasse braucht eine Gastro-Markise?
Klasse 2 nach DIN EN 13561 ist in der Gastronomie der Mindeststandard, das entspricht Windstärke 5 und rund 38 km/h. Mit einem Wind-Protect-System sind je nach Größe bis zu Windstärke 8 möglich.
Was kostet eine Überdachung für die Gastronomie?
Kleine Anlagen beginnen bei rund 6.000 €, eine Regenmarkise liegt bei etwa 10.000 €, ein Lamellendach bei etwa 30.000 €. Ein geschlossener Kaltwintergarten beginnt bei etwa 25.000 € und ist nach oben offen. Die Details und eine Amortisationsrechnung finden Sie im Beitrag Was kostet eine Gastro-Überdachung.
Rechtsstand: August 2026. Quellen: § 62 Abs. 1 Nr. 1 g und § 50 Nr. 7 Bauordnung NRW 2018, § 18 Straßen- und Wegegesetz NRW, Satzung über Erlaubnisse und Gebühren für Sondernutzungen der Stadt Euskirchen (6.66/3), Stadt Köln (Außengastronomie auf öffentlichem Straßenland), DIN EN 13561, DIN 4102-1 bzw. DIN EN 13501-1. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Klären Sie Ihr Vorhaben vor der Bestellung mit dem zuständigen Bauamt und dem Ordnungsamt.


